Bangle.js 2: Eine Smartwatch für Datenbesitzer

Letzten September habe ich wieder angefangen, Sport zu treiben. Zuerst Freeletics, später dann Gym und auch einige Runs. Für die Runs wollte ich eine Uhr - aber eine, bei der meine Daten auch wirklich mir gehören.
Warum Datenhoheit wichtig ist
Mir liegt es sehr am Herzen, meine Daten bei mir zu behalten. Angesichts des aktuellen Weltgeschehens möchte ich genau wissen, was mit meinen Daten passiert. Fitness-Daten sind persönlich: Wo ich laufe, wie mein Herzschlag ist, wann ich schlafe.
Ich habe mir einige Alternativen angeschaut, vor allem Garmin. Leider bietet Garmin keine Möglichkeit, ohne Cloud zu funktionieren. Die anderen grossen Anbieter sind alle stark in ihre Clouds integriert und für mich deshalb nicht vertrauenswürdig.
Die Lösung: Die Bangle.js 2 - eine Open-Source-Smartwatch, die man komplett selbst kontrollieren kann.
Setup: WebBluetooth und Gadgetbridge
Das Setup ist interessant und etwas technisch. Die Uhr hat einen eigenen “App Store” im Browser, der über WebBluetooth funktioniert. Ich musste zuerst ein Feature in Chrome/Brave aktivieren, damit ich mich überhaupt verbinden konnte. Danach kann man alles im Web-Interface machen - Apps installieren, Einstellungen ändern, sogar eigenen Code hochladen.
Auf Android nutze ich Gadgetbridge als Companion-App. Man muss eine Verbindungs-App auf der Uhr installieren, dann sieht man die Daten in der App. Die App ist ganz okay, aber ich habe direkt die Notifications ausgeschaltet - die haben mich genervt. Auch das UI auf der Uhr dafür ist nicht wirklich toll.
Wichtig zu wissen: Man kann Daten exportieren, aber dazu muss eine Recorder-App installiert und aktiviert werden. Das wusste ich am Anfang nicht. Meine Idee war sowieso, die Daten auf eine eigene WebApp zu schicken - was ich später auch umgesetzt habe (dazu mehr in einem zukünftigen Beitrag).
Programmierbarkeit
Das Beste an der Bangle.js: Sie basiert komplett auf JavaScript. Man kann sie vollkommen selbst programmieren. Ich habe einige kleine Apps selbst gemacht und getestet. Mein ultimatives Ziel ist eine eigene Tracking-App, welche die Daten direkt auf meinen Server schickt.
Alltag mit der Bangle.js 2
Akku: Eigentlich ganz okay. Bei Runs braucht sie durch GPS natürlich mehr, aber normalerweise reicht es, sie zweimal pro Woche aufzuladen.
GPS: Die Daten habe ich noch nicht im Detail analysiert. Ich nutze die Run+ App, die GPS für Pace-Berechnungen verwendet - das funktioniert gut.
Herzfrequenz: Der HRM ist bei Runs nicht so genau. Durch den Tag hindurch ist er aber eigentlich verlässlich.
Apps die ich nutze:
- Run+ für Laufen - zeigt Pace, Puls, etc.
- Ich habe auch Sleep Monitor und einen smarten Wecker ausprobiert, der mich im richtigen Schlafmoment wecken sollte. Das habe ich aber wieder aufgegeben.
- Ansonsten nutze ich die Uhr hauptsächlich für die Zeit.
Hardware: Ich habe ein Samsung-Armband dazugekauft, das bequemer ist als das originale. Kann ich empfehlen. Für den Preis ist die Uhr sehr gut.
Wasserfestigkeit: Die Uhr ist nur als wasserresistent angegeben, nicht wasserdicht. Ich war einmal aus Versehen damit in meinem Cold Pool - sie hat es überlebt. Glück gehabt!
Fazit: Für wen ist die Bangle.js?
Die Uhr ist nicht für Leute geeignet, die einfach alles Out-of-the-Box haben wollen. Man braucht Zeit, sie so einzurichten, wie man sie haben möchte. Aber wenn man diesen Punkt erreicht hat, ist sie eigentlich top.
Wenn dir Datenhoheit wichtig ist und du bereit bist, etwas Zeit zu investieren, ist die Bangle.js 2 eine echte Alternative zu den Cloud-basierten Mainstream-Uhren.
Im nächsten Beitrag: Wie ich meine eigene Fitness-App gebaut habe, die mit der Bangle.js kommuniziert.
